03.08.2014

Review: The Purge 2 - Anarchy

Seit Donnerstag ist The Purge 2 - Anarchy in den deutschen Kinos zu sehen. Der Film ist, wie auch bereits sein Vorgänger The Purge aus dem Jahre 2013, ein dystopischer Horrorfilm mit Thriller-Elementen.

Erneut geht es um die von der US Regierung ausgerufene "Säuberung", in der einmal im Jahr für 12 Stunden alle Straftaten legal werden. Dies wird dann natürlich von verschiedensten Menschen ausgenutzt, um zu morden, zu vergewaltigen und zu stehlen. Wie auch Teil 1, ist The Purge 2 - Anarchy von Regisseur und Drehbuchautor James DeMonaco geschrieben und gedreht worden. Stars aus dem Erstling, wie beispielsweise Ethan Hawke (Gattaca, Training Day) oder Lena Heady (Dredd, 300) sind nicht wieder dabei. Diesmal folgen wir hauptsächlich Frank Grillo (Captain Ameirca: The Winter Soldier, Warrior, The Grey), dessen Figur im Film die Säuberung nutzen will, um Rache an den Mördern seines Sohnes zu nehmen. Movie Attack Force hat den Streifen unter die Lupe genommen und sagt euch im folgenden Review, ob sich ein Kinobesuch lohnen könnte!


Stellt euch schon mal drauf ein, dass wir jetzt genau wie die armen Hunde im Film, jedes Jahr mit einem neuen The Purge klar kommen müssen. Nachdem die jährlich erscheinende Saw-Filmreihe ein großes Loch im Kino für das Horrorgenre hinterließ, war schnell die unglaublich billig produzierte Paranormal Activity Reihe zur Stelle, um uns jedes Jahr mit halbgaren Stories und sich immer wiederholenden Schockeffekten zu nerven. Doch nun, da auch diese Reihe in ihren letzten Zügen zu sein scheint (man kann sich halt leider nur eine gewisse Anzahl von Malen am selben Jumpscare-Effekt erschrecken bis man davon müde wird), hat sich Hollywood offenbar auf ein neues "kostet wenig - spielt viel ein"-Horrorfranchise geeinigt. Das Problem dabei? The Purge ist jetzt bereits filmisch belangloser als Saw und Paranormal Activity kombiniert je waren. Wo Saw zumindest in den ersten 2-3 Filmen noch von einer gewissen Artistik zeugen konnte, war The Purge bereits im ersten Teil das Knäckebrot unter den Horrorfilmen. Völlig frei von eigenem Geschmack und unglaublich trocken. Wo Paranormal Activity zumindest als "Eventkino" für junge Kids, die eigentlich sonst keine richtigen Horrorfilme sehen dürften funktionierte, versucht das Marketingteam von The Purge 2 - Anarchy einen Mythos um einen Film zu spinnen, der seiner Prämisse im gesamten Film erneut nur ansatzweise gerecht wird. Mir ist klar, wie negativ das jetzt klingt - obwohl ich den Film an und für sich immerhin noch als "mittelmäßig" bezeichnen würde. Doch genau das regt mich am Film so auf. Hier wird sich absolut keine Mühe gegeben. Story, Kamera, Schauspieler... alles ist so schmerzhaft durchschnittlich, dass ich jeden Punkt einzeln aufdröseln muss, um euch das Ausmaß der Mittelmäßigkeit klar zu machen.

1. Story:
Die Prämisse des Films, also die Tatsache, dass dieser eine Tag existiert, an dem sich der Pöbel ganz legal dezimieren lässt, ist zwar ein wenig abgehoben, bietet aber viel Spielraum für interessante, sozialkritische Ansätze. Im ersten Teil sah man von diesen Ansätzen und dem eigentlichen Umfang dieser "Säuberung" gar nichts. In seiner Fortsetzung ist eine Menge mehr davon erkennbar (allein schon, weil sich der komplette Film endlich nicht bloß in dem Haus einer völlig lebensmüden Familie abspielt). Ebenso scheint es James DeMonaco nun auch endlich selbst gedämmert zu haben, dass seine kleine Filmidee tatsächlich über eine inhärente Sozialkritik verfügt. Dummerweise lässt er seine Zuschauer diese nicht selbst erkennen (indem er es einfach ZEIGT), sondern lässt es von Figuren im Film lediglich laut sagen! Es gibt im Film sogar eine Figur, welche einzig den Zweck verfolgt, den Zuschauern zu erklären was die Säuberung tatsächlich bewirkt. Ich habe ja bereits im The Amazing Spider-Man 2 Review erklärt, dass nur schlechte Autoren darauf zurückgreifen müssen, ihre Expositionen und Messages in die Dialoge der Figuren einzubauen. "Show, don't tell!" sollte die Devise sein. Möglicherweise hält DeMonaco auch einfach die Kinobesucher für zu blöd diese Dinge zu erkennen (sind sie nicht!), weswegen er sie uns vorbetet. Was auch immer der Grund war, es kommt in jedem Falle als ziemlich faul rüber. Der Film Snowpiercer hat übrigens von der Aussage ein ganz ähnliches Konzept (die arme Population wird in Schach gehalten, etc.), ist aber in der Ausführung und Vermittlung um längen filigraner und cleverer.

2. Kamera:
Wo wir gerade bei Faulheit sind... Ich habe schon seit langer Zeit keinen Film mehr gesehen, der SO unfähig gedreht wurde (Transformers 4 hat im Bezug auf Kameraarbeit auch nicht viel zu bieten, hier erkennt man jedoch, dass Michael Bay zumindest ein Auge für schöne Kulissen und Winkel hat). Fast jede Szene in der eine Figur spricht ist im "Close-Up" gedreht. Jedes verdammte mal! Keine Dutch-Angles, nichts. Einfach nur Close-Ups! Das ist eigentlich dazu gedacht, um dem Zuschauer zu signalisieren, dass das, was jetzt gesagt wird gewisse Auswirkungen auf die Story hat. Wenn wie hier, fast alles in Close-Ups gedreht wird, hat diese Technik null Effekt mehr. Der Rest des Filmes ist natürlich wie gewohnt Shaky-Cam, was aber mittlerweile niemanden mehr überraschen sollte. Auch die Bluteffekte waren nicht In-Camera, sondern wurden nachträglich digital eingefügt. Gerade bei einem Film, bei dem es eigentlich ganz zentral um Mord geht, wundere ich mich wirklich, warum man sich nicht mal dort die Mühe gemacht hat ein aufwendiges Produkt zu erzeugen. Einzig die Farbgebung des Filmes halte ich für wirklich gelungen, da man sich hier offenbar sehr an David Finchers (Fight Club, Sieben, Panic Room) Stil orientierte, welcher perfekt für eine so von der Realität abgenabelte Nacht funktioniert.

3. Schauspieler
Letztlich muss man auch über die Darsteller sprechen, die leider zum großen Teil genauso dämlich handeln, wie noch im ersten Teil. So unglaublich viele Leute sterben hier einfach nur, weil sie offenbar frei von gesundem Menschenverstand sind. Es ist, als habe James DeMonaco auch hier oft damit gekämpft genug Gründe zu finden, um Leute umzubringen. Das Mädchen, was sich im Schrank versteckt und dem herannahenden Killer durch rufen verrät, wo sie sich befindet, oder die sich versteckenden Obdachlosen, die genau dann ihr Versteck völlig grundlos verlassen, als günstigerweise ein Typ mit einem Flammenwerfer vorbeirennt. Das sorgt dafür, dass der Film unnötig gestellt wirkt und macht die Geschichte noch zehn mal unglaubwürdiger, als es das abgedrehteste Konzept jemals könnte. Man kann ja gerne solche Ideen verfilmen! Sci-Fi, Horror und Fantasy leben sehr oft von diesen Ideen (siehe Repo-Men, In Time, Snowpiercer, etc.). Jedoch müssen sich die Figuren innerhalb der Geschichte stets glaubhaft und nachvollziehbar verhalten, sonst hat man den Zuschauer unwiderruflich verloren. Sich hier jedoch in derartige Details hineinzusteigern, ist gerade bei Filmen, die nur existieren, um verschiedene "coole" Morde aneinander zu reihen, natürlich ein wenig zwecklos. Der einzige Lichtblick ist allerdings der geheime Hauptdarsteller von The Purge 2 - Anarchy: Frank Grillo. Er ist einer der wenigen Schauspieler im Film, welcher tatsächlich sein bestes gibt, einen nachvollziehbaren Charakter mit emotionalen Momenten darzustellen - und dies auch erfolgreich bewerkstelligt. Grillo ist natürlich ein waschechter Actionheld, weswegen ein nicht zu verachtender Anteil an Screentime damit verbracht wird, Menschen zu zeigen, wie sie auf verschiedenste Art umgebracht werden.

Insgesamt ist The Purge 2 - Anarchy ein lähmend eintöniger Horrorfilm von der Produktionsstange, der sich für deutlich intelligenter hält, als er tatsächlich ist. Ich weiß, dass sich viele von dem exzellenten Marketing eine gewisse Vorfreude auf den Film haben einreden lassen, von einem Kinobesuch muss ich trotzdem abraten. Sollte der Film allerdings mal an einem langweiligen Freitagabend im Fernsehen laufen, kann man beim Einschalten sicherlich nicht so viel falsch machen. 

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