17.10.2014

Review: Teenage Mutant Ninja Turtles

Das ist jetzt wirklich schwer für mich. Die Teenage Mutant Ninja Turtles sind, vermutlich im gleichen Maße wie die Power Rangers (die übrigens auch einen neuen Film bekommen), die ultimative Begleitserie meiner Kindheit. Wegen Raphael, Michelangelo, Donatello und Leonardo bin ich Samstags immer extra früh am Morgen aufgestanden, um die neueste Folge ansehen zu können. Die vier mutierten Schildkröten vermochten es dank der (auch heute noch) erstklassigen TV-Serie, den Actionfiguren und natürlich den Comics, die Phantasie junger Menschen mit positiven Konzepten zu beflügeln. Dies bedeutet allerdings auch eine gewisse Verantwortung gegenüber den neuen Kindern, die sich nun dank des neuen Filmes mit der Welt der Ninjas vertraut machen können. 

Diese Verantwortung lastet auf den Schultern von Jonathan Liebesman (Zorn der Titanen, World Invasion: Battle LA), dem Regisseur vom nun auch endlich in Deutschland erschienenen Teenage Mutant Ninja Turtles Kinofilm. Ob es mir gelingt, über meine persönlichen Gefühle zum Franchise hinweg zu sehen, während ich euch erzähle ob der Film einen Besuch im Kino rechtfertigt, erfahrt ihr im Review!


Natürlich ist es sehr schwer, nicht automatisch besonders kritisch eingestellt zu sein, wenn man sieht, dass zwei Regisseure dessen bisherige Arbeit alles andere als Lust auf mehr macht, eine für die eigene Kindheit so wichtige Materie zwischen die Finger bekommen. Sowohl der südafrikanische Regisseur Jonathan Liebesman, welcher bisher noch keinen wirklich sehenswerten Film hervorbrachte, als auch Produzent Michael Bay (Transformers 4, Bad Boys), der den bisher schlechtesten Film des Jahres zu verantworten hatte, haben also einen schweren Stand. Glücklicherweise verfügen die Teenage Mutant Ninja Turtles über eine seit 20 Jahren stets erweiterte Geschichte an der man sich bedienen könnte. Dummerweise hat man die Vorlage, wie schon bei den Transformers, völlig missverstanden. Das resultiert dann leider in einer weiteren fehlgeleiteten, enttäuschenden Interpretation einer Kinderserie. Riesige Plotlöcher, widerliche Charakterzeichnungen, schwachsinnige Dialoge und unzählige Klischees werden dann mit dem typischen "ist ja eh für Kinder!"-Satz entschuldigt. So einfach ist es meiner Meinung jedoch nicht. Was genau ich damit meine, will ich euch erklären. 

Mein erstes Problem ist, dass die Figuren allesamt völlig austauschbar waren. Die Story war so offensichtlich nach dem "Malen-nach-Zahlen"-Prinzip geschrieben, dass wir anstatt der vier Ninja Turtles auch die Street Sharks oder die Extreme Dinosaurs oder die Biker Mice From Mars hätten sehen können. Was tatsächlich kaum ein Problem gewesen wäre, da die Hauptfiguren eh wieder nur nachträglich mit Computer eingefügte Effekte sind. 

Doch auch die Story selber ist einfach nur der Gipfel der Unkreativität. In modernen Hollywood Filmen erkenne ich drei immer wiederkehrende Fehler. Teenage Mutant Ninja Turtles begeht ALLE DREI davon. Erstens: Jeder kennt jeden. Wisst ihr warum die Star Wars Prequels so unecht wirken (abgesehen davon, dass sie komplett vor einem Greenscreen gedreht wurden)? Weil jede wichtige Figur in der Galaxie offenbar jeden kennt! Darth Vader hat C3PO gebaut, Yoda war früher eng mit Chewbacca befreundet, und Boba Fett ist der Grund für die Stormtrooper. Auch im neuen Ninja Turtles Film war es die Reporterin April O'Neil (gespielt von Megan Fox) die als Kind die Schildkröten als Haustiere hatte bevor sie mutierten, ihr Vater der Arbeitskollege vom großen Bösewicht war, der wiederum der Schüler von Schredder war, etc. pp. Gutes Storytelling schnürt zwar stets alle Handlungsstränge zusammen, jedoch niemals mit so faulen Begründungen. Zweitens: der Film macht große Umwege um seine 3D Konvertierung zu rechtfertigen. Anstatt also die Zeit für tiefere Dialoge oder ruhige Momente zu verwenden, beginnt der Film dir sinnlose Scheiße ins Gesicht zu schleudern. Ich weiß nicht wie oft ich noch ganz knapp über die Antenne/Spitze eines Fernsehturms/Hochhauses in New York fliegen muss, bis es den Filmen selbst zu langweilig wird. Das bringt mich übrigens auch schon zu drittens: Magisches Blut und ein Gas was die ganze Stadt umbringt! Überlegt euch doch endlich mal was Neues. Egal ob in Batman Begins, in der Liam Neeson die Stadt mit einem Angstgas vergiften will (und ein Gegengift aus Bruce Waynes Blut synthetisiert wird), oder The Amazing Spider-Man, in dem der böse Wissenschaftler mit einem Gas (welches vom dach eines Funkturms aktiviert wird) ganz New York zu Eidechsenmenschen verwandeln will. Was hat Hollywood nur mit ihrer Fixierung auf ABC Waffen? Auch die Rettung durch das magische Blut ist eine mittlerweile zu oft verwendete, narrative Abkürzung. In Edge Of Tomorrow, The Amazing Spider-Man 2, X-Men: Days Of Future Past oder Star Trek Into Darkness sieht man wie das magische Blut als Plotvehikel dient. Der neue Ninja Turtles Film hat sowohl das Gas als auch das Blut und bestärkt mich in meiner Vermutung, dass das gesamte Script an einem Wochenende geschrieben wurde. 

Es ließe sich hier jedoch noch konkreter auf Szenen eingehen, die keinen Sinn machen (wo in der Nähe von New York ist eigentlich der riesige Berg, den sie im Film runter rutschen? In und um New York existiert keiner), jedoch gibt es noch viel mehr über das wir sprechen sollten und Details würden den Rahmen sprengen. Auch der große Widersacher der Ninja Turtles, genannt Shredder funktioniert nicht. Man merkt, dass zunächst der von William Fichtner (Drive Angry, Prison Break, Lone Ranger) gespielte Wissenschaftler Eric Sachs in der silbernen Samurai-Rüstung stecken sollte. Das Internet war dem Film jedoch bekanntlich nie sonderlich positiv gesonnen, wodurch viele Szenen nachträglich umgeschrieben wurden. So hieß es zunächst, dass die Turtles eigentlich Aliens sind (wurde im finalen Film wieder geändert) und dass Shredder nicht wie in den Cartoons ein Japaner ist. So entschloss man sich, offenbar, einige Szenen neu zu drehen und einen japanischen Samurai in den Film nachträglich einzufügen, der dann tatsächlich in dem Kampfanzug steckt. Diese Änderung war möglicherweise aus politischer Sicht eine gute Entscheidung, jedoch in der Ausführung so bedachtlos, dass nun weite Strecken des Filmes einander widersprechen. 

Doch es gibt auch ein paar, wenn auch ziemlich kleine, Lichtblicke im Film. Sowohl William Fichtner als auch Megan Fox sind wider Erwarten ganz brauchbar und viele der Jokes die auf Kosten von Aprils Kameramann Vernon, gespielt von Will Arnett (The LEGO Movie, Die Eisprinzen), gehen, sind witzig. Die Kameraführung ist meistens relativ undeutlich, jedoch ansonsten ausreichend genug. Die CGI Modelle der Schildkröten sind zwar sicherlich Geschmackssache, gefielen mir aber letzten Endes ganz gut (bis auf Meister Splinter, der gelinde gesagt selbst für eine Ratte hässlich war). Der Foot Clan und auch die Art und Weise, wie April O'Neil ihrem Job nachgeht wurden eigentlich recht cool inszeniert. 

Dennoch müssen wir mit den eigentlichen Stars des Films, den Ninja Turtles selbst, ein ernstes Wörtchen reden. Die sind nämlich entweder Karikaturen von eh bereits veralteten Stereotypen oder schlichtweg übertrieben pubertierende Vollidioten. Leonardo ist komplett eindimensional und Raphael macht allen mit seinem Arschlochtum so das Leben schwer, dass es fraglich ist, wie die anderen Schildkröten es so lang mit ihm ausgehalten haben. Donatello ist eine Kopie von Steve Urkel und jede Szene von Michelangelo ist noch mal eine ganz andere Frechheit. Für den hat man sich in dieser neuen Version nämlich überlegt, dass er aus irgend einem unerfindlichen Grund 24 Stunden am Tag rattig sein sollte und bei jeder Gelegenheit die sich ihm bietet eine mehr oder weniger sexuelle Bemerkung in Aprils Richtung schleudern sollte. Ich verstehe es. Sie wollten klar stellen, dass wir es mit Teenagern zu tun haben. Aber dieser unterschwellige Sexismus (den auch Will Arnetts Figur bei jeder Gelegenheit seiner Kollegin entgegen wirft) ist meiner Meinung nach einfach nur ekelhaft und speziell in einem Film, welcher angeblich an Kinder adressiert ist, moralisch unfassbar fragwürdig. Einen Film für Kinder zu machen, entschuldigt meiner Meinung nach einfach nicht, sich so auf die faule Haut gelegt zu haben. Die Turtles mit denen ich groß wurde, waren nicht so scheiße. Glaubt mir, ich hab es nachgeprüft. Kinder verdienen eindeutig was besseres als das hier. 

Kommentare:

  1. Lieber Marc McFly, ich weiß nicht ob es die heutigen "aktiongeladenen" Filme sind, die dich diesen Film so kritisieren lassen, oder ob du einfach zu pessimistisch bist, den Film einmal ganz anzusehen (ohne Vorurteile gegenüber jeglichen Produzenten oder wem auch immer) und auf dich wirken zu lassen.
    Ich war gestern mit meiner von den Turtles besessenen Freundin im Kino und war auch von viel schlechter Kritik wie der deinen und anderen Videos, in denen man einen Bruchteil von 120min (!) gesehen hat beeinflusst. Doch ich war einfach nur begeistert. Natürlich kann man sagen, dass Megan Fox nicht in die Rolle der April O'Neil passt (schon einfach weil sie ihren Charakter extrem geändert haben) und dass Splinter aussieht, als hätte ihn der Blitz getroffen.
    Doch der Charme der 2 Meter großen Pumpmuskel-Schildkröten, ihr Witz und ihr offenes Herz haben mich einfach überzeugt. Gerade in diesem Moment tippe ich mit grünen Fingernägeln, auf denen Masken und "TMNT" steht auf meiner Tastatur herum. Einfach weil man den Film sofort ins Herz schließt.
    Manchmal frage ich mich, wie stumpfsinnig man sein muss, um den ganzen Film über nur Kritik zu äußern. Kein Mensch recherchiert erst einmal wer den Film dreht und bildet sich sofort eine Meinung.
    Ich würde diesen Film jedem empfehlen, einfach deshalb weil man sich selbst eine Meinung bilden sollte und nicht auf pessimistische Filmkritiker hören sollte, die denken, einem ein solch lustiges und spannendes Filmerlebnis versauen zu müssen. Ich liebe die Witze in dem Film, ich liebe Mikey, der sich in April verliebt (was kein Problem ist, denn ihr Hintergrund ist anders!), ich liebe sogar den Moralapostel Leo, der zwar keine guten Witze bringt und immer im Konflikt mit sich selbst zu stehen scheint, der aber der Story trotzdem etwas einzigartiges verleiht.
    Wenn man sich also, so wie du, gezwungen fühlt, sich in ein 3D Abenteuer mit 4 "ach so hässlichen Schildkröten, denn wer achtet schon darauf, dass sie SCHILDKRÖTEN sind und Schildkröten nun mal nicht aussehen, wie Heidis Models" zu setzen und seine schlechte Meinung dann jedem ins Gesicht drücken zu müssen, nur dass bloß keiner in den Film geht, dann bitte.
    Aber ich habe dem schreienden Raphael eine Chance gegeben und geweint, als er seine wahren Gefühle gezeigt hat und es war mir egal wie klischee-haft es war. Ich habe McMikey in mein Herz geschlossen und herzlich gelacht, als er April sein süßes Liebeslied vorsingt. Ich habe mich auf Leo's langweilige Seite eingelassen und auf Donnie, der absolut viel zu wenig Stellen im Film bekommen hat. Und auf April's merkwürdigen Kameramann ...Ja ok den konnte ich nicht leiden.
    Ich werde mir auf jeden Fall die DVD kaufen und mir tut jeder leid, der sich wegen solchen Kritikern nicht in den Film traut und etwas verpasst, was wirklich unbeschreiblich lustig und herzallerliebst dämlich ist.

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  2. Lieber anonymer Kommentator...
    Dir sei deine Meinung und auch das positive Filmerlebnis herzlich gegönnt. Nichts spricht dagegen, anderer Ansicht zu sein. Deine Kritik an meiner Meinung allerdings entnehme ich, dass du entweder nur sehr wenige Filme schaust oder meine Rezension gar nicht wirklich gelesen hast. Dann nämlich würdest du meine Kritik sicherlich deutlich besser verstehen und nachvollziehen können. Diese habe ich meiner Meinung nach nämlich mehr als befriedigend begründet. Auch mir zu unterstellen, ich hätte den Film nicht "richtig" angeschaut, würde ich als ziemlich anmaßend bewerten. Immerhin studiere ich diese Materie. Ich weiß, dass es manchmal schwer ist zu akzeptieren, dass andere Menschen weniger Spaß an etwas hatten, als man selber, jedoch ist dies nun mal die Welt in der wir leben. Manchmal frage ICH mich, wie stumpfsinnig man sein muss, dies nicht verstehen zu können.

    All dies sei dir verziehen, mir allerdings allen ernstes zu unterstellen, ich würde meine ""schlechte" Meinung jedem ins Gesicht drücken", ist nun wirklich der Gipfel der Dreistigkeit. Immerhin befinden wir uns hier auf meiner eigenen Website, auf der ich tun und lassen kann, was auch immer ich für richtig halte. Dennoch bedanke ich mich herzlich für deinen leidenschaftlichen Beitrag. Das meine ich ganz ernst, da mir natürlich auch die Meinung meiner Leser sehr wichtig ist, ganz egal wie sehr diese von meiner abweicht.

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  3. Hi ich Finde die Kritik noch sehr Wohlwollend und Objektive geschrieben.Den Film habe ich mir Gestern angeschaut ohne vorher auch nur eine Kritik dazu gelesen zu haben da M.Bay da dran Gearbeitet hat waren meine Erwartungen sehr Gering aber selbst diese wurden noch enttäuscht.
    Ja ich bin mit den TMNT Groß geworden und hab mir Heute Nochmal die Erste Verfilmung angeschaut um nen Vergleich zu haben und nicht nur aus der Vergangenheit zu Bewerten aber im Ernst Der Neue ist Grauenhaft Schredder oder auch Little Megatron ein Schlechter Witz ...naja Genug Ausgekotzt !

    mfg. Harlekin

    ps.schöne Inet Seite

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    1. Hey, vielen Dank fürs lesen und für das Lob! Ich hab auch noch sehr starke nostalgische Gefühle zum ersten Ninja Turtles Film (der zweite war auch noch cool), und das ist mit der neuen Version echt kaum noch zu vergleichen. Das was die charmanten Kröten früher ausgezeichnet hat scheint bei Michael Bay komplett ins Hintertreffen geraten zu sein. :(

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